Schmerzhaftes Blasensyndrom (auch IC oder BPS genannt) im Jahr 2019

Spread the love

Definition und Entwicklung diagnostischer Kriterien

1987 wurden erstmals präzise und konkrete Kriterien für die Diagnose der interstitiellen Blasenentzündung¹ (IC auch Zystalgie oder Blasenentzündung mit klarem Urin genannt) formuliert.

Diese Kriterien waren hauptsächlich für die wissenschaftliche Forschung gedacht, um homogene Gruppen von Patienten zu bilden, um Studien durchzuführen, deren Ergebnisse bei der Behandlung dieser ganz bestimmten Störung helfen könnten. Im Laufe der Zeit und mit der Übersetzung und Neuinterpretation dieser Kriterien ist jedoch große Verwirrung über IC und seine Diagnose entstanden, so dass eine kürzlich veröffentlichte Studie schätzt, dass 43% der aktuellen Diagnosen falsch sind². Nicht dass Patienten keine Störung oder Krankheit haben, sondern einfach, dass ihre Diagnose von IC falsch ist.

Im Jahr 2003, während dem Internationalen Kongress der interstitiellen Blasenentzündung in Japan (ICICJ), wurde deutlich, dass die Beurteilung und Diagnose von Patienten in Europa, Nordamerika und Japan sehr unterschiedlich war und dass ein neuer Ansatz dringend erforderlich war.

Da der Begriff „interstitielle Blasenentzündung“ (IC) in verschiedenen Regionen der Welt unterschiedliche Bedeutungen hat, hat die Europäische Gesellschaft zur Untersuchung der interstitiellen Blasenentzündung (ESSIC) im Jahr 2007 daran gearbeitet, eine Zustimmung über Definitionen, Diagnosen und Einstufungen zu erzielen³. Es wurde vereinbart, die Störung Blasenschmerzsyndrom (IC oder BPS = Bladder Pain Syndrome) zu nennen.

BPS sollte auf folgende Grundlage diagnostiziert werden:

Chronische Schmerzen im Beckenbereich, Druck oder Beschwerden, die als blasenbedingt mit mindestens einem anderen Harnsymptom wahrgenommen werden, wie z. B.: anhaltendes Entleeren der Blase oder häufiges Wasserlassen.

IC-Definition (ESSIC, 2007)

Syndrom oder Krankheit

IC ist daher ein Syndrom, eine Reihe von Anzeichen und Symptomen. Dieses Merkmal unterscheidet es daher von einer Krankheit, von der wir mit Sicherheit (das Ergebnis medizinischer Studien und Forschungen) die Ätiologie (Ursache), Evolution und Prognose, aber auch präventive, kurative und palliative Therapien kennen.

Im Falle eines Syndroms (IC) bleibt der Ursprung unbekannt, und es wird wiederum schwierig, den Verlauf der Störung vorherzusagen und dem Patienten einen geeigneten therapeutischen Ansatz zu bieten.

Aus diesem Grund ist es wichtig, während des Diagnoseprozesses darauf zu achten, dass alle Pathologien, die zu Verwechslungen mit IC¹ führen können, durch zahlreiche Analysen, Untersuchungen, Besuche bei verschiedenen Spezialisten und Screening ausgeschlossen werden. Dieser Prozess muss abgeschlossen werden, auf das eine zweifellose Diagnose gestellt worden ist, die kein Problem übersieht, das sich völlig von der IC unterscheidet, dessen Symptome jedoch mit dieser verschmelzen.

IC-Subtypen und ihre Relevanz für ein angemessenes Management

Da es sich bei IC um ein Syndrom handelt, wurde schnell klar, dass die IC-Patientengruppe, trotz der Verwendung der neuen diagnostischen Kriterien, sehr heterogen ist, da ihre Symptome (der einzige gemeinsame Nenner) die zugrunde liegenden Probleme widerspiegeln. Daher konnte das therapeutische Angebot angesichts der IC nicht universell gemacht werden.

In den Jahren 2009, 2015 und 2017 wurden neue Vorschläge 4, 5, 6 veröffentlicht, um die IC anhand des „Profils“ der Patienten durch Subtypisierung zu unterteilen. Diese Profile berücksichtigen die Vorgeschichte, den Kontext, in dem das Problem aufgetreten ist, seine Ursachen, als sie bekannt waren, und den Ursprung des Schmerzes. Die Forscher identifizierten erfolgreich 5 IC-Subtypen.

Typ 1 – Hunner-Geschwüre (CI)

Diese kleine Untergruppe von Patienten (10% der Patienten) weist sichtbare entzündliche Läsionen an der Blasenwand auf.

Nur bei Patienten mit Hunner-Läsionen kann sofort eine „interstitielle Blasenentzündung“ diagnostiziert werden. Während bei Patienten ohne Verletzungen ein „schmerzhaftes Blasensyndrom“ diagnostiziert wird.

Typ 2 – Phänotyp der Blasenwand

In dieser Untergruppe von Patienten sind Veränderungen der Blasenwandintegrität die direkte Ursache für IC.

Die Häufigkeit und Dringlichkeit des Urinierens kann tagsüber und / oder nachts auftreten, und die Schmerzen nehmen zu, wenn sich die Blase mit Urin füllt, und nehmen ab, wenn sie leer ist.

Die Symptome der Patienten beginnen häufig mit einer Harnwegsinfektion (Biofilm), einer Chemotherapie, einer chemischen Exposition (einschließlich Drogenkonsum) oder einem übermäßigen Konsum von Soda, Kaffee usw.

Reduzierte Östrogenspiegel (Wechseljahre, Empfängnisverhütung, endokrine Störungen) können auch die Funktion und Empfindlichkeit der Blasenwand beeinträchtigen.

Typ 3 – Phänotyp des myofaszialen Schmerzesyndroms

Diese Patienten haben häufig eine Vorgeschichte von sportlichen, orthopädischen oder geburtsbedingten Verletzungen.

Bei der Untersuchung zeigen sie eine Beckenbodenspannung und das Vorhandensein von Flecken im Becken, im Bauch, im Rücken und in den Hüften, die bei Berührung schwere Symptome auslösen.

Sie sind möglicherweise weniger empfindlich gegenüber Ernährungsumstellungen (weniger empfindlich gegenüber Harnsäure) und schlafen viel besser, wenn ihre Muskeln entspannt sind.

Typ 4 – Phänotyp der Neuralgie

Diese Patienten können eine Spannung in den Beckenbodenmuskeln oder andere Ursachen für eine Kompression des Nervus pudendus aufweisen.

Die Schmerzen hängen normalerweise nicht mit der Blasenfunktion zusammen.

Dies verursacht starkes Brennen oder einen „elektrisierenden“ Schmerz beim Sitzen, eine Pudendus-Neuralgie und ein positives Hoffmann-Tinel-Zeichen (Kribbeln, wenn der Nerv sanft beklopft wird).

Typ 5 – Phänotyp multipler Schmerzen / zentrale Sensibilisierung

Diese Patienten leiden an verschiedenen Schmerzstörungen (IBS, Vulvodynie, Fibromyalgie usw.).

Diese Patienten zeigen häufig mehrere Empfindlichkeiten: gegenüber Lebensmitteln, Getränken, Drogen, Chemikalien; in einigen Fällen auch Haut- und Sehempfindlichkeit.

Ihre Situation ist grundlegend anders und invasive Behandlungen, die für die Phänotypen 2, 3 und 4 geeignet sein können, könnten die Situation tatsächlich verschlimmern.

Diese Verbesserung der Diagnose von IC, die dann viel feiner und persönlicher wird, ist für Patienten von entscheidender Bedeutung, da sie letztendlich eine Behandlung anbieten können, die wirklich an das Problem angepasst ist und folglich eine viel höhere Aussicht auf Effizienz bietet. Und es kann sogar bis zur vollständigen Lösung der Störung gehen.

Es ist daher wichtiger denn je, dass jeder einen vollständigen Diagnoseprozess (einschließlich aller Untersuchungen und Besuche) durchführt, um eine zuverlässige Diagnose in Bezug auf IC und zusätzlich eine Diagnose zu erhalten, die den Typ der IC umfasst.

Bibliographie

1. Le Syndrome de la Vessie Douloureuse, guide pour les praticiens Joop P. van de Merwe, Jorgen Nordling, Pierre Bouchelouche, Mauro Cervigni, Magnus Fall and Jean-Jacques Wyndaele. 2014

2. The misdiagnosis of interstitial cystitis/bladder pain syndrome in a VA population. Skove SL, et al. Neurourol Urodyn. 2019.

3. ESSIC criteria for the diagnosis of bladder pain syndrome/interstitial cystitis (BPS/IC) and comparison with the NIDDK criteria. Proaño A1, Garde G, Garrido G, Mazza O. 2013

4. A New Approach To Urologic Chronic Pelvic Pain Syndromes: Applying Oncologic Principles To ‘Benign’ Conditions. Current Bladder Dysfunct Rep. Topical Collection on Pelvic Pain. Payne C.  2015

5. Clinical phenotyping in chronic prostatitis/chronic pelvic pain syndrome and interstitial cystitis: a management strategy for urologic chronic pelvic pain syndromes. Prostate Cancer and Prostatic Diseases Shoskes D, et al. 2009 Improving the utility of clinical phenotyping in interstitial cystitis/painful bladder syndrome. Crane A, et al. 2017

Schreibe einen Kommentar