“Typische Symptome der bakteriellen Zystitis, aber negative Urinkultur: Was tun?

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Kürzlich hat mir eine Frage in unserer Facebook-Diskussionsgruppe klar gemacht, dass dieses Argument dringend weitere Erläuterungen benötigt.

1) Wie kann man zwischen Harnwegsinfektion und Blasenentzündung unterscheiden?

– In beiden Fällen kann man durchaus von Zystitis sprechen:

* die erste, bakteriell, aufgrund des Vorhandenseins von uropathogenen Bakterien in der Blase;
* die zweite ausschließlich entzündlichen Ursprungs, da die Blasenwand gereizt ist.

Der Unterschied zwischen diesen beiden symptomatisch identischen Situationen liegt in der Identifizierung einer bakteriellen Präsenz im Urin. Identifizierung, die nur mittels eines Zytobakteriologischen Urintest möglich ist. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die Leukozyturie auch bei abakterieller Blasenentzündung hoch bleibt: Dieser Wert gibt tatsächlich Auskunft über die spezifische Immunantwort (Reaktion auf einen Krankheitserreger), aber auch über die unspezifische (als Reaktion auf laufende entzündliche Prozesse).

2) Was verursacht eine Entzündung der Blase
Blasenentzündungen sind ein multifaktorielles Problem, die häufig aus einer Reihe schädlicher Ereignisse für die Blasenwand und vor allem für die GAG-Schicht (Glykosaminoglykanen), die sie bedecken und deren Schutz gewährleisten, entstehen.

Eine den häufigsten Ursachen für Blasenentzündungen sind:

Harnwegsinfektion
Harnwegsinfektionen werden durch das Vorhandensein von Bakterien in der Blase verursacht. Diese Bakterien sind mit Adhäsinen, eine Art „Pfotenhaken“ ausgstattet. Mit diesen verankern sie sich an der Blasenwand und eine anschließende, schnelle Proliferation beginnt. Bei akuten Episoden können die zahlreichen durch Adhäsine verursachten Mikroläsionen die GAG-Schicht bis zum Beginn eines Entzündungsprozesses schädigen, der dann weiter über die akute Episode hinaus bestehen kann, selbst wenn die Urinkultur wieder negativ ist (keine Bakterienpräsenz).

Einnahme von Antibiotika
Die im Falle einer bakteriellen Blasenentzündung vorgeschlagenen Antibiotikatherapien, obwohl sie in einigen Fällen notwendig sind, führen zur Produktion von entzündlichen Toxinen, die die Blasenwand schädigen, sowie von freien Radikalen (organische Rückstände von Bakterien, die durch das Antibiotikum abgetötet werden), die oxidative Schäden verursachen und sich an die im Urin vorhandenen Mineralien binden und Steine bilden können. Toxine und freie Radikale sind häufig dafür verantwortlich, die Symptome auch nach Abklingen der akuten Episode zu verlängern und das Risiko chronisch entzündlicher Schmerzen zu erhöhen.

Mensturationzyklus
Hormonelle Veränderungen (insbesondere Östrogen- und Progesteronwerte) können auch die Phase der Epithelisierung des Urothels beeinträchtigen. Dies ist insbesondere in den Wechseljahren der Fall.
Die Verringerung des Östrogens, die der Menstruation vorausgeht und begleitet, kann die Trophismusfunktionen der Schleimhäute (Genitalien, aber auch die der Blase) verringern. Auf diese Weise werden die Wände der unteren Harnwege „dünner“ und daher empfindlicher und zerbrechlicher und somit anfälliger für Reizungen.
Andere mit diesem Phänomen verbundene Probleme, wie die Endometriose, können für chronische Entzündungen verantwortlich sein.

Ernährung und Flüssigkeitszufuhr
Diese Umweltfaktoren können sich sowohl positiv als auch negativ auf die Blasenentzündung auswirken, da sie den pH-Wert des Urins beeinflussen, der aufgrund seines Säuregehalts einen konstanten Aggressionsfaktor für die GAG-Schicht und das Urothel darstellen können.

Geschlechtsverkehr
Während des Vorspiels und / oder des Koitus können Reiben und Belastung des Genital- und Beckenbereichs zu einer Reizung der Blasenwand führen was wiederum zu einer Episode einer akuten bakteriellen Blasenentzündung führt.

Nieren- und Harnsteine
Das Vorhandensein von Kristallen oder Steinen im Urin kann auch die Blasenwand beschädigen (als ob sie zerkratzt wird) und eine Veränderung der GAG-Schicht und des Urothels verursachen.

Vorhandensein eines pathogenen Biofilms
Diese schwierig erkennbare Situation führt zu scheinbar negativen oder „kontaminierten“ Urinkulturen = bei Vorhandensein einer polymorphen Flora und einer geringen Bakterienlast (weniger als 10/4), die jedoch in jedem Fall einer latenten chronischen Infektion entspricht.
Das Vorhandensein vom Biofilm ist ein Faktor, der Entzündungen fördert, wie:
> Die Polysaccharidmatrix, aus der er besteht, beschädigt sowohl die GAG-Schicht als auch das Urothel.
> Das schwache, aber dauerhafte Vorhandensein von Bakterien, greift kontinuierlich die Blasenwand an.

Es ist daher notwendig, eine Strategie einzusetzen, um den Biofilm zu zerbrechen und so das für Rückfälle verantwortliche Bakterienreservoir zu beseitigen.

VERÄNDERUNG DER GAG-SCHICHT
Ich schlage eine anatomische Studie vor, um besser zu verstehen, wie die Blase und die Wand aussehen, und vor allem um zu verstehen, warum die Veränderung oder Beschädigung der Gag-Schicht einen wichtigen Risikofaktor für die Chronisierung der abakteriellen Blasenentzündung in Richtung behindernder Probleme wie dem schmerzhaften Blasensyndrom oder Verlust der Blasenschleimhaut  darstellt.

Sonderfall einer „abakteriellen Blasenentzündung“ unabhängig von der Blase.
Wenn es um Blasenentzündung geht, ist es sinnvoll, die Entzündung als „Blase“ zu bezeichnen. Die Ursache des Problems wird auf die Blase zurückgeführt, da die Symptome rein urinaler Natur sind (Dringlichkeit und Häufigkeit des Urinierens, Brennen beim Wasserlassen, Schmerzen entsprechend dem anatomischen Bereich der Blase usw.), während die Entzündung unmittelbar in der Nähe liegt: Beckenkontraktur, Neuropathie, Vulvovaginitis, Endometriose.
Es ist daher notwending (und gegebenenfalls zusätzlicher Untersuchungen und Facharztbesuche), die Entzündung mit Sicherheit zu lokalisieren.
Insbesondere das Fehlen von Leukozyten in der Urinkultur sollte die Untersuchungen auf andere Organe als die Blase lenken.

3) Wie kann man eine Blasenentzündungen bzw. eine abakterielle Zystitis bekämpfen?
Sobald mit Sicherheit festgestellt wurde, dass die Blasenentzündung tatsächlich abakteriell ist (kein Biofilm oder keine akute Infektion ist im Gange), dreht sich das Entzündungsmanagement um drei Achsen:

a) Um Reizungen und Aggressionen der Schleimhaut zu reduzieren, befolge diese Hinweise:
– eine korrekte Ernährung;
– vermeide Lebensmittel die die Blase reizen (Tabak, Alkohol, Gewürze, Kaffee, Tee, Schokolade, Blaubeere, Cranberry, Bärentraube, usw.);
– achte auf eine ständige, konstante und regelmäßige Flüssigkeitszufuhr;
– Einnahme eines natürlichen entzündungshemmenden Mittels wie Morinda citrifolia;
– Regelmäßiges und physiologisches Wasserlassen (nie zurückhalten);
– pH-Kontrolle im Urin;
– gegebenenfalls Urin alkalinisieren;
– gegebenenfalls Beckenrehabilitations- und Kegelübungen durchführen.

b) Zukünftige Harnwegsinfektionen und darauffolgende Antibiotikatherapie vorbeugen und verhindern

c) Die Reparatur der Gag-Schicht und der Urothel-Reepithelisierung unterstützen und stimulieren.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Rekonstruktion der Gag-Schicht ein absolut erreichbares Ziel ist.

Dieser Ansatz zielt darauf ab, die Durchlässigkeit der Blasenwand für Urin zu verringern, zu verhindern, dass Reizstoffe diese Schutzbarriere überschreiten, um Aggressionen gegenüber des Urothels zu mindern und damit die Gesamtsymptome zu verbessern. Das am weitesten verbreitete GAG ​​ist Natriumpentosanpolysulfat, das als eine der spezifischsten Therapien zur Behandlung von IC angesehen wird. Die Einnahme, die mindestens 6 Monate dauern muss, damit die Wirkungen objektiv bewertet werden können, sollte die Schmerzen in der Blase und im Allgemeinen das Unbehagen des Patienten erheblich lindern. Es wirkt gleichzeitig beim Wiederaufbau der GAG-Schicht, beugt Harnwegsinfektionen vor, wirkt entzündungslindernd und hemmt die Sekretion von Histamin durch Mastzellen.
Andere Substanzen sind gleichermaßen wirksam bei der Wiederherstellung der Integrität der Gag-Schicht: Heparin, Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat, Glucosamin, Quercetin, Methylsulfonylmethan, D-Mannose (was ein GAG ist!)

Die GAG können verabreicht werden:

-> durch Instillationen: Dieses Verfahren, bei dem eine Sonde verwendet wird, die direkt in die Blase in die Harnröhre eingeführt wird, ist ein Manöver das im Krankenhaus durchgeführt wird und hat den Vorteil, die GAG und die Blasenwand in direkten Kontakt zu bringen. Dies deutet darauf hin, dass somit zwischen beiden eine Verbindung besteht und damit eine signifikante Wirksamkeit bei der Wiederherstellung der schützenden Blasenschicht erleichtert wird.

Es ist jedoch eine Methode, die auch viele Einschränkungen und negative Aspekte aufweist:
– die Notwendigkeit, jedes Mal ins Krankenhaus gehen zu müssen;
– Das Manöver ist ziemlich invasiv und kann daher zu einer Kontamination der Blase führen, wenn die Sonde eingeführt wird. Das heißt es könnte eine Harnwegsinfektion trotz der Vorbeugung und der optimalen Hygienemaßnahmen ausgelöst werden.
– nach Angaben des medizinischen Fachpersonals besteht das Risiko einer Reizung der Harnröhre durch den Durchgang der Sonde (Schmerzen nach dem Manöver)
– Die Substanz muss mindestens 1 Stunde lang in der Blase bleiben (variiert je nach verwendeter Substanz)

Aus diesen Gründen zeigen die Studien eine etwas schwache Adhäsion seitens der Patienten mit dementsprechend widersprüchlichen Ergebnissen.

-> mündlich: dies ist der Fall von Elmiron. Gemäss dem üblichen Dosierungsvorschlägen (3 Tabletten pro Tag) kann die Blase mit etwa 3 mg Wirkstoff versorgt werden. Diese Therapie hat den großen Vorteil, dass sie für Patienten, die von der Zuzahlungsbefreiung profitieren können, kostenlos ist.

Es gibt auch natürliche Nahrungsergänzungsmittel wie Ausilium, Cistiquer und Dimannart, die in klinischen Studien hervorragende Ergebnisse erzielt haben und daher von Anfang an für den Ansatz zur Wiederherstellung der GAG-Schicht verwendet werden können.

Die erheblichen Vorteile sind:
– eine weitaus größere Bioverfügbarkeit ihrer Wirkstoffe;
– eine Einnahme von 2 bis 3 Monaten um eine bessere Stabilität der Vorteile zu erzielen;
– keine Nebenwirkungen oder Kontraindikationen (außer Krustentierallergie bei Cistiquer und Dimannart);
– kompatibel mit allen anderen Behandlungen im Gange (einschließlich Antikoagulanzien);
– kompatibel bei Schwangerschaft und Stillzeit.


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