Welche Rolle spielt Histamin bei chronischen Entzündungen

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Viele chronische oder wiederkehrende Probleme, die in diesem Blog diskutiert werden, haben als gemeinsamen Punkt das Vorhandsein einer permamenten Beckenentzündung, manchmal „taub“, manchmal „akut“; vom symptomatologischen Aspekt aus gesehen: abakterielle Blasenentzündung, rezidivierende Zystitis, Endometriose, schmerzhaftes Blasensyndrom, interstitielle Zystitis , Vaginitis und Vaginalinfektionen, Beckenkontraktur, vulvovaginales Syndrom … Diese ständig wiederkehrende Entzündung, was auch immer ihr Ursprung ist, hat mit Histamin zu tun, ein Molekül, das man kennen und versuchen sollte zu beeinflussen, um Beschwerden zu kontrollieren oder zu lindern, die aus entzündlichen Prozessen herrühren.

Was ist Histamin?

Histamin ist ein Signalmolekül, ein natürlicher Eiweißstoff des Immunsystems. Es wird vom Organismus, insbesondere von Mastzellen, in allen Geweben des Körpers wie der Haut, der Magenwand und dem Gehirn, aber auch in Beckenorganen wie dem Blasen-Urothel, der Vaginalschleimhaut oder der Darmwand produziert.

Es ist ein „chemischer Botenstoff“, der eine wesentliche Rolle in einem der Hauptprozesse der Immunantwort auf Infektionen ( Vorhandensein von Krankheitserregern wie Bakterien, Hefen, Pilzen, Parasiten oder Viren) spielt: die Entzündungsreaktion.

Wie wird Histamin erzeugt?

Die an Entzündungen beteiligten Zellen (hauptsächlich Mastzellen) sind in allen Geweben vorhanden, aber ruhend und enthalten Sekretionsgranulate (eine Art “körnchenförmige Einlagerungen”), die inaktive chemische Mediatoren (Histamin sowie andere biologisch aktive Moleküle) enthalten.

Wenn die Zelle mit einer Substanz in Kontakt kommt, die sie als „Feind“ oder potenzielle Infektionsursache identifiziert (siehe das Antigen in der Abbildung), werden die Mediatoren aktiviert und an der Stelle freigesetzt -> dies ist die sogenannte unspezifische Entzündungsreaktion (weil es das Gleiche ist, unabhängig von der Ursache der Auslösung).

Zu den bekanntesten Mastzellauslösern “ (Triggerfaktoren, auch „Trigger“ genannt) zählen neben Infektionen auch:

– übermäßige Hitze oder „Kälteeinbruch“

– Vibrationen und Bewegungen (Haltungen, Kontrakturen usw.)

– Stress und Trauma (körperlich und seelisch)

– Lebensmittel und Medikamente

Was sind die Folgen der Histaminfreisetzung?

1. Unter physiologischen Bedingungen

Histamin hat eine starke Gefäßerweiterungswirkung und erhöht die Permeabilität der Blutgefäße, wodurch der Blutfluss des betroffenen Bereichs gefördert und die Schleimproduktion erhöht wird.

Darüber hinaus wirkt die Freisetzung von Histamin (und anderen Mediatoren) aus Mastzellen wie ein „Ruf“ an bestimmte Zellen des Immunsystems wie z.B. Antikörper und verstärkt dadurch die spezifische Immunantwort gegen den Erreger.

Aus diesen Gründen ist die Freisetzung von Histamin und allgemein die Immunantwort gekennzeichnet durch: Rötung, Hitze, Ödeme und Schmerzen, die je nach Person und Reaktionsstelle mehr oder weniger deutlich und lokalisiert sind.

2. Anomalien

Andere Auslöser können zu einer unangemessenen oder übermäßigen Histaminfreisetzung führen:

– Allergie: Der Körper identifiziert eine harmlose Substanz als „Feind“ (Antigen), was zu einer Fehlreaktion des Immunsystems führt.

– Chronische Entzündung: In einigen Fällen hält die Mastzellenaktivierung trotz Abklingen der anfänglichen Infektion an oder wenn die Ursache der Entzündungsreaktion nicht richtig erkannt und behandelt wird. Dies ist z.B. der Fall bei einigen Formen von BPS, Endometriose, rezidivierenden oder chronischen urogenitalen Infektionen, intrazellulärer Biofilmbildung (sowohl vaginal als auch in der Blase), fälschlicherweise auch “ verkrustete Infektion“ genannt.

Histamin und Becken- und Blasenentzündung

Das Vorhandensein von Mastzellen in hoher und damit signifikanter Menge wurde in folgenden Situationen nachgewiesen:

1. Schmerzhaftes Blasensyndrom

Mehrere Studien haben das Vorhandensein einer großen Anzahl von Mastzellen in Blasengewebebiopsien von Patienten mit interstitieller Zystitis / schmerzhaftem Blasensyndrom (BPS/IC) gezeigt.

Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass Histamin eine wichtige Rolle bei der neuronalen Informationsübertragung spielt, die für Blasen- und Beckenschmerzen im Zusammenhang mit BPS/IC verantwortlich ist.

Diese Studien haben gezeigt, dass Patienten mit BPS/IC in der submukösen Schicht der Blasenwand (Urothelium) und in der glatten Muskelschicht der Blase eine signifikant höhere Anzahl von Mastzellen aufweisen als die gesunde Bevölkerung. Eine erhöhte Histaminfreisetzung kann daher zu einem Ödem der Blasenwand und einer Kontraktur der Blasenmuskulatur führen, was wiederum zu einer verringerten Blasenkapazität, eine verminderten Dehnungsfähigkeit (Elastizität) und dringendes Wasserlassen zur Folge hat.

2. Rezidivierende bakterielle Zystitis

Eine wichtige Rolle der Mastzellen wurde auch bei Patienten mit chronischer bakterieller Zystitis nachgewiesen: In Blasengewebsbiopsien von Patienten mit chronischer bakterieller Zystitis* wurden Mastzellinfiltrate gefunden. Dieser Befund ist durch die Hauptfunktion der Mastzellen voll gerechtfertigt: die Bereitstellung der lokalen Immunantwort auf pathogenen Erregern. Insbesondere in Anwesenheit einer E. coli-Infektion sezernieren sie nicht nur Histamin, sondern auch TNF-α, einen grundlegenden Mediator bei der Rekrutierung neutrophiler Granulozyten.

*Aus diesem Grund ist die Anzahl der Mastzellinfiltrate kein akzeptables Kriterium mehr für die Diagnose von BPS/IC.

Histamin und Östrogen

Frauen sind anfälliger als Männer gegenüber einer Histaminintoleranz und letztere verschlimmert sich oft zum Zeitpunkt des Eisprungs und während der ersten Phase des Menstruationszyklus (Perioden, in denen der Östrogenspiegel höher ist als der Progesteronspiegel).

Dies liegt daran, dass Östrogen Mastzellen zur Freisetzung von Histamin anregen und eine Hemmung des DAO (Diaminooxidase-Enzym) bewirken, das am Histaminabbau beteiligt ist. Gleichzeitig regt das produzierte Histamin die Eierstöcke an, mehr Östrogen zu produzieren, wodurch ein Teufelskreis entsteht, der zu einer erhöhten und übermäßigen Histaminproduktion und einer Akkumulation im Gewebe (aufgrund der fehlenden Ausscheidung) führt.

Aus diesem Grund ist eine Hormontherapie auf Basis von Progesteron oft eine vorteilhafte Option zur Behandlung der Unterleibsschmerzen bei chronischen Entzündungen. Allerdings sollte das Nutzen-Risiko-Verhältnis eines solchen Ansatzes mit einem Facharzt sorgfältig abgewogen werden, da die Kehrseite der Medaille eines sinkenden Östrogenspiegels (wie in den Wechseljahren) eine Senkung der Trophismus der Schleimhäute und des Wachstums der Flora darstellt. Dies wiederum kann mitunter zu bestimmten Beschwerden führen.

Histaminintoleranz

Histaminintoleranz ist ein Ungleichgewicht zwischen der (übermäßigen) Produktion und dem (unzureichenden) Abbau von Histamin im Körper.

Typische Symptome einer Histaminintoleranz variieren je nach Lokalisation der Histaminansammlung (Stelle der Überproduktion) und können sein:

– Magen-Darm-Beschwerden (Durchfall, Bauchkrämpfe)

– Asthma, Atembeschwerden

– Dermatitis, Hautausschläge

– Kopfschmerzen, Migräne

– Dysmenorrhöe

– Schmerzen

– Kontraktur

– Neuropathien

Reduzierung des Histaminspiegels

Im Gegensatz zu pathologischen Situationen wie z.B. Allergien, bei denen Antihistaminika verwendet wird, gibt es keine spezifische Behandlung für Histaminintoleranz. Das Angehen eines solchen Problems, sobald es erkannt oder vermutet wird, besteht daher aus einer Reihe natürlicher Maßnahmen:

1. Eine angemessene Ernährung befolgen, indem die wichtigsten Histaminquellen einschränkt werden:

– Tomaten, Sauerkraut, Spinat

– Lebensmittelkonserven aller Art

– Geräucherter Fisch (Hering, Lachs usw.), Schalentiere und Meeresfrüchte

– Wurstwaren aller Art (Wurst, Salami, Trockenfleisch, Räucherschinken, Mortadella, usw.)

– Schimmelkäse

– Alkohol aller Art (Wein, Bier usw.) und Weinessig

– Hefe

Eine histaminarme Ernährung wird bei der Behandlung des schmerzhaften Blasensyndroms eingesetzt, und in Verbindung mit einer Ernährungsumstellung hin zu einer alkalisierenden Diät, haben viele Menschen eine Verbesserung ihrer Symptome aufgrund des Abklingens der Blasenentzündung festgestellt.

2. Ergänzen Sie die Ernährung mit Wirkstoffen, die die Mastzellaktivierung reduzieren oder hemmen können,

Wie z.B. Quercetin und Chondroitinsulfat, wie Alaquer und Cistiquer

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